Roadtrip Schweden Winter 2026
Nach einer langen Zeit ohne, ist es endlich wieder soweit - der Urlaub steht vor der Tür. Und was würde nach einem langen kalten Winter besser passen als...
...noch mehr Winter? Warte mal - das klingt logisch!
Deshalb buchen wir eine Fähre und ein zwei Unterkünfte und fahren am 20.02. los in Richtung Schweden.
Nach ziemlichem Abfahrts-Chaos seitens der Reederei laufen wir nachts mit ca. 2 Stunden Verspätung um 01:30 Uhr aus Travemünde (statt wie eigentlich gebucht Rostock) aus.
Im ersten grauen Morgenlicht erreichen wir dann Trelleborg. Es schneeregnet, auf den Straßen liegt dicker Schneematsch und der erste Eindruck vom winterlichen Südschweden ist ziemlich trist. Tagesziel heute: Stockholm.
Kurze Pause am Vettern - Eisschollen rauschen im leichten Wellengang
Am Abend erreichen wir unser Hostel in Stockholm - ein altes Schiff, auf dem wir eine kleine Kabine für die Nacht bekommen.
Nach der ganzen Fahrerei machen wir noch einen kurzen Abendspaziergang über das Eis des zugefrorenen Riddarfjärden.
Stockholm ist uns aber für einen zünftigen Winterurlaub noch nicht weit genug nördlich, weshalb wir schon am nächsten Tag weiterreisen. Aber bevor wir wieder stundenlang im Auto sitzen, wollen wir das schöne Wetter noch nutzen, nehmen uns ein Beispiel an den sportlich-aktiven Stockholmern und spazieren noch für ein Stündchen durch die Stadt.







Ausflug zum Sklinnarviksberget und Spaziergang über das Eis
Am späten Nachmittag erreichen wir das Örtchen Sifferbo. In einer kleinen Ferienanlage haben wir ein Häuschen gemietet und ich genieße es, endlich wieder ein kleines "privates" Zuhause zu haben, dass ich nicht mit anderen Leuten teilen muss.
Sifferbo liegt in der Nähe des Skigebiets "Romme Alpin". Da wir ewig kein Ski mehr gefahren sind, wollen wir uns mal wieder auf die Bretter wagen und leihen uns für zwei Tage Equipment. Und nach den ersten etwas unsicheren Schwüngen kommt das Gefühl fürs Skifahren schnell wieder zurück.
Doch so viel Spaß Skifahren auch macht - es ist auch ziemlich teuer und wir wollen den Urlaub noch für andere Aktivitäten nutzen, weshalb es nach den zwei Tagen Skifahren dann weiter nach Norden geht.
7h Fahrzeit liegen vor uns, und mit jeder Stunde Fahrt wird der Schneefall dichter. Die Schweden fahren alle mit Spikes an ihren Reifen für mehr Grip auf den zugefrorenen Straßen, aber in Deutschland sind die verboten. Daher hoffen wir, dass unsere frischen Winterreifen auch so gut halten. Trotzdem bin ich während der Fahr ganz schön angespannt.
Gegen Nachmittag treffen wir dann einen alten "Bekannten" wieder - die Högakustenbron. Hier waren wir 4 Jahre zuvor schonmal mit unserem Camper Fred auf dem Weg zum Nordkapp.
Links: Högakustenbron im Winter - Rechts: Högakustenbron im Sommer (2021)
Am Abend wird das Schneetreiben auf der Straße immer dichter und als wir gegen 19 Uhr in Umea ankommen, sind wir ganz schön kaputt.
Da das Wetter am nächsten Tag sehr neblig und grau ist, unternehmen wir auch nicht viel - lediglich einen Spaziergang zum nächsten Supermarkt.
Und nach zwei Nächten in Umeå geht es dann auch schon weiter. Trotzdem versuchen wir vorher nochmal einen Blick aufs Meer zu erhaschen, sehen aber nur kilometerweit Weiß bis zum Horizont.



Es ist so weiß, dass man Himmel, Meer und Erde gar nicht mehr unterscheiden kann, und irre hell ist es auch.
Während dichten Schneefalls führt unser Weg uns langsam ins Landesinnere.

Unser Auto hat am Ende der Fahrt einen neuen Look!
Am Nachmittag erreichen wir Rentjärn. Dabei lösen wir bei unserer Ankunft direkt ein "Geheul" aus (Zoomania...;) ): Unsere neue Unterkunft befindet sich nämlich auf einer Huskyfarm und die Hunde begrüßen alle mit einer Runde lautem Hundegesang.
Neuer Tag, neues Glück - und endlich traut sich auch mal die Sonne raus! Das nehmen wir zum Anlass, einen ausgedehnten Spaziergang durch die weiße Welt zu unternehmen.






Die Welt glitzert und glänzt, es ist ganz still und nur ein leichtes Windrauschen ist ab und zu in den verschneiten Baumwipfeln zu hören. Hier und da fällt Schnee von den Ästen in einem weißen Regen herab, und niemand außer uns ist unterwegs. Man könnte fast meinen, wir wären die einzigen Menschen im Umkreis von mehreren hundert Kilometern.







Spaziergang durchs zugefrorene Moor
Die ganzen Waldwege sind meterhoch mit Schnee bedeckt, sodass man nur der Straße folgen kann. Allerdings entdecken wir nach einiger Zeit einen Snowmobiltrack auf dem man auch laufen kann und so können wir doch noch die Straße verlassen.
Und weil der Tag noch nicht schön genug war, bekommen wir am Abend die ersten Polarlichter zu sehen. Sie sind weder besonders stark noch besonders spektakulär, aber für Leute, die erst wenige Polarlichter gesehen haben, ein echtes Schauspiel - wenn auch nur für ein paar Minuten.
Ein ganz besonderes Highlight dieser Reise wartet am nächsten Morgen auf uns. Wer auf einer Huskyfarm wohnt, der will auch Hundeschlitten fahren!
Gesagt getan: Am Vormittag geht es los. Wir dürfen helfen, die Hunde in ihr Geschirr einzuspannen und dann geht die wilde Fahrt auch schon los!




Fast wie Segeln: Sind die Hunde erstmal losgelaufen, wird es schnell still und man gleitet leise, aber beständig durch die verschneite Landschaft.
Unsere Gastgeber Anna und Jeldrik erzählen uns viel zu ihrem Leben mit den Hunden, zu Hundeschlittenrennen und auch zum Leben in Schweden. Außer den Pfoten im Schnee und dem schleifen der Kufen über den Schnee ist es ruhig. Wir sind froh hier gelandet zu sein - bei Menschen, die gut auf ihre Hunde achten, sich liebevoll um sie kümmern und sie nicht nur für Profit und Touristen verheizen. Hier ist jede Fahrt ein Training, auch wenn es nur "um den Block" geht und das eigentlich viel zu kurz ist: Anna steckt uns, dass sie eigentlich die längeren Touren, verteilt über mehrere Tage, lieber fährt. Das lastet die Hunde richtig aus und hilft, sie auf das nächste Rennen vorzubereiten. Und spannender ist es für den geneigten Abenteurer auch ...
Nach einem Picknick dürfen wir dann sogar den Schlitten fahren. Es ist etwas ganz neues, ziemlich anstrengend, aber auch sehr cool! Wenn Hundeschlitten, dann auf jeden Fall nochmal hier!


Auch wenn wir kaputt sind vom Tag, schwingen wir uns am späten Nachmittag nochmal ins Auto und fahren nach Malå, um von dort den Sonnenuntergang anzuschauen. William hat dafür die perfekte Stelle herausgesucht und wir werden mit einem spektakulär schönen Sonnenuntergang belohnt.






Nebel steigt über dem zugefrorenen See auf, während die Sonne langsam Richtung Horizont versinkt und die Landschaft in ein warmes weiches Licht taucht.
Nach diesen schönen Erlebnissen ist die Zeit in Rentjärn aber auch schon wieder vorbei und wir ziehen am nächsten Morgen weiter in Richtung norwegische Grenze. Auch wenn unser neues Ziel nur ca. 300 km weit weg ist, fahren wir den halben Tag dahin - allerdings halten wir auch ständig an, schauen hier und da und genießen das sonnige Wetter.





Unsere romantische Vorstellung eines schönen Picknicks irgendwo auf der Strecke im Sonnenschein können wir leider nicht in die Tat umsetzen, weil wir keinen geeigneten Picknickplatz finden - alle Plätze mit Tischen sind verschneit, sodass man sie nicht mit dem Auto erreichen kann... Schade, aber naja, so ist das manchmal. Dafür können wir am Abend leckere Buritos machen, da unsere Ferienwohnung ein Backofen besitzt.
Am nächsten Tag lässt das Wetter leider zu wünschen übrig. Es ist grau, regnet sogar zwischenzeitlich etwas, sodass man wirklich nicht rausgehen mag. Trotzdem wagen wir uns ein paar Schritte vor die Tür, aber so richtig spektakulär ist der kurze Spaziergang nicht. Aber das Wetter hat auch was Gutes, denn in unserem Häuschen gibt es einen Kaminofen den wir zum Heizen nutzen können und damit wird es drinnen richtig gemütlich. Zimtschnecke, Kaffee und Kaminfeuer - was will man mehr bei einem ungemütlichen Tag?!
Grau, soweit das Auge reicht...
Am Abend kommt eine "Warnung" in meiner Polarlicht-App mit einem hohen Kp-Index - aber der Blick nach draußen ist ernüchternd. Wolken bis zum Horizont und Schneetreiben. Ich raufe mir die Haare, aber da kann man nichts machen - die Polarlichter bleiben uns verwehrt.
Am zweiten Morgen in Hemavan werden wir von der abrutschenden Schneedecke vom Dach geweckt, die unseren Hauseingang "verschüttet", sodass wir am Morgen erstmal jede Menge nassen, pappigen Schnee schaufeln müssen. Das Wetter ist leider nach wie vor grau, aber wir entschließen uns trotzdem einen kleinen Ausflug zu unternehmen.








Kaum zu sehen, aber überall am Fluss: Wasseramseln sitzen auf den Steinen und nippen am Bach
Wir wandern über Snowmobiltracks zu einer Hängebrücke und lassen uns den eisigen Wind um die Nasen wehen. Am Flussufer sitzen viele kleine Wasseramseln, denen der kalte Schnee offensichtlich nicht allzu viel auszumachen scheint.
Nach drei Nächten in Hemavan fahren wir wieder weiter - zurück in bekannte Gefilde. Denn unsere nächste Unterkunft liegt wieder in Rentjärn, nur ein paar Kilometer von dort entfernt, wo wir ein paar Tage zuvor untergekommen sind. Auf der Fahrt dahin können wir nun unser geplantes Picknick doch noch machen.
Am späten Nachmittag erreichen wir dann den Hof von Daniel und Evelyn - einem Auswandererpaar aus der Schweiz, bei denen wir unsere letzten Tage im hohen Norden verbringen.



Wir machen einen weiteren Spaziergang über das uns schon in Teilen bekannte Moor. Dabei entdecken wir einen alten, vollkommen eingeschneiten Traktor, auf den ich unbedingt raufklettern muss.
Das Highlight dieses Tages kommt allerdings erst, als es draußen schon dunkel ist. Zwar ist die Polarlichtvorhersage nicht super toll, aber als wir am späten Abend rausgehen, tanzen die Lichter eine ganze Weile lang atemberaubend schön über den Himmel.
Man kriegt einfach nicht genug davon...
Für den nächsten Tag ist eine Snowmobiltour geplant. Unsere Gastgeber bieten Touren an, und so nutzen wir die Chance, um das Lieblingsfortbewegungsmittel der Schweden im Winter mal selbst auszuprobieren.




Am Abend wollen wir nochmal versuchen einen Sonnenuntergang zu sehen... Aber wir fahren zu spät los, und als wir unseren ausgewählten Spot erreichen, ist die Sonne schon untergegangen.
Mittlerweile haben wir schon die ein oder andere Winteraktivität im hohen Norden ausprobiert (Skifahren, Hundeschlitten fahren, Snowmobilfahren...). Eine Sache fehlt uns aber noch im Repertoire, nämlich eine Schneeschuhwanderung. Aber wir machen keine geführte Tour, sondern bekommen die Schuhe von unseren Gastgebern geliehen, um zu einem Aussichtturm zu laufen. Sie empfehlen uns darüber hinaus noch ein Picknick bei der nahegelegenen Stuga (Schutzhütte) inklusive Lagerfeuer. Und so machen wir uns mit Proviant auf den Weg Richtung Aussichtsturm.


Seit ein paar Tagen ist es tagsüber über 0°C: Der Schnee ist von den Bäumen abgeschmolzen und so ist die Aussicht auf einmal reichlich grün
Auf dem Weg zum Turm stellen wir fest, dass Schneeschuhwandern ganz schön anstrengend ist. Im Tiefschnee sinkt man nämlich trotz der großen Fläche immernoch weit ein. Völlig verschwitzt erreichen wir nach ca. 1h den Turm. Auch wenn der Aufstieg nichts für Leute mit Höhenangst ist, ist die Aussicht, wenn man erstmal oben angekommen ist, wunderbar. 360 Grad über alle Baumwipfel hinweg in die weite Landschaft.




Anschließend laufen wir noch ein paar Meter weiter zur besagten Stuga. Als wir ankommen, stelle ich allerdings fest, dass ich ein Feuerzeug zum Entzünden des Lagerfeuers vergessen habe - ziemlich bescheuert. Zum Glück hat jemand ein paar Streichhölzer in der Hütte hinterlegt und so bekommen wir doch noch ein Feuer zum Braten unserer Köttbuller hin.
Während die Sonne untergeht, genießen wir die Ruhe und den Frieden an der Hütte. Es ist einer der schönsten Abende während der Reise. Und auch die Nacht bringt nochmal ein paar Polarlichter mit sich.


Leider ist die Luft sehr feucht und meine Kameralinse beschlägt während der Zeitrafferaufnahme. Das bekomme ich aber auch erst mit, als ich die Kamera kurz vor dem ins Bett gehen wieder nach drinnen hole. Sehr schade, aber wieder was gelernt.
Der Urlaub neigt sich so langsam dem Ende, weshalb wir am nächsten Morgen Rentjärn wieder verlassen. Eine lange Fahrt liegt vor uns bis nach Östersund, wo wir nochmal einen Tag verbringen, ehe es weiter Richtung Süden geht.
Wanderung in Östersund
Der Schnee ist hier schon deutlich weniger. Auch die Straßen sind nicht mehr vereist. Wir wandern noch ein bisschen in der Umgebung um Östersund, ehe wir am nächsten Tag weiterfahren nach Karlsborg. William muss schon wieder aus dem Homeoffice arbeiten, weshalb ich die Gegend um Karlsborg auf eigene Faust erkunde.
Umgebung Karlsborg
Der Schnee ist hier mittlerweile fast vollständig weggeschmolzen. Lediglich der See ist noch zugefroren, aber die Eisdecke sieht zum Teil auch schon etwas löchrig aus.
Nach 1.5 Tagen in Karlsborg geht es dann Freitag Nachmittag weiter bis nach Helsingborg, wo wir noch eine Nacht im Hotel übernachten. Nachdem TT-Line noch mehrmals die Abfahrtszeit und das Schiff geändert hat, fahren wir letztendlich am Samstag um 15 Uhr dann von Trelleborg aus zurück nach Rostock.
Gegen Abend erreichen wir dann Rostock, von wo aus wir noch einen kurzen Abstecher zum Feriengrundstück meiner Eltern machen, um dort Ylvi aus dem Winterlager abzuholen. Und nach einer Nacht in Zarrentin geht es dann zurück nach Hause.
Schweden im Winter hat mich gefesselt - ich fand es unfassbar schön mit den weiten, schneebedeckten Flächen, dem glitzernden Schnee auf den Baumwipfeln, den tanzenden Polarlichtern am Nachthimmel. Rote, kalte Gesichter, dicke, warme Winterschuhe, Schneehosen... Das Gefühl nach einer Wanderung durch das Winterwonderland in eine warme Hütte zurückzukehren. Und auch der starke Schneefall an einigen Tagen, so dicht, dass man kaum noch 200 Meter weit gucken kann. Schon während des Urlaubs steht für mich fest - nächstes Jahr muss ich auf jeden Fall wieder hoch in den Norden. Ich habe mich in das winterliche Schweden schockverliebt... Und damit endet der Bericht über unsere Reise nach Schweden... Bis zum nächsten Mal!